AGP oder PCIe? Die Bus-Frage beim Retro-PC
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Die kurze Antwort vorweg: Wenn du frei planst und keine Altteile verbauen musst, nimm PCIe. Die Auswahl ist größer, die Preise sind zivilier, und du verbaust dir nichts. AGP wählst du aus genau zwei Gründen: weil dein Wunsch-Build in der frühen XP-Ära spielt (Sockel A und Sockel 478 kennen gar nichts anderes) oder weil du eine bestimmte AGP-Karte besitzt oder willst. Beides sind gute Gründe. Aber sie sollten bewusst sein.
2004/05: der Übergang, der alles zweiteilt
PCI Express kam 2004 in den Massenmarkt, und die Chipsatz-Daten zeichnen den Schnitt ziemlich exakt nach. Intel vollzog ihn abrupt: Der 915P von 2004 war der erste LGA-775-Chipsatz unserer Liste mit PCIe, und ab da gab es bei Intel kein Zurück. Wer auf Sockel 478 blieb, etwa mit einem 865PE oder 875P, blieb automatisch bei AGP 8x.
AMD machte es seinen Kunden gnädiger. Für Sockel 754 und 939 existierten beide Welten parallel: Der VIA K8T800 von 2003 und der NVIDIA nForce3 250 von 2004 boten Athlon-64-Systemen weiterhin AGP 8x, der nForce4 Ultra brachte Ende 2004 dann PCIe samt SATA II. Boards wie das ASUS K8V SE (AGP) und das ASUS A8N-E (PCIe) tragen denselben Prozessor, aber völlig verschiedene Grafik-Ökosysteme. Genau diese Brücke machte den K8T800 damals beliebt: Athlon 64 kaufen, die vorhandene AGP-Karte mitnehmen, später umsteigen.
Die Grafikkarten-Hersteller bedienten den Übergang mit Doppelversionen. Die GeForce 6600 GT gab es 2004 als AGP- und als PCIe-Variante mit identischen 128 MB, und sie ist bis heute die Standardempfehlung für späte AGP-Systeme: schnell, bezahlbar, Shader Model 3. Auch die GeForce 6800 GT existiert in beiden Welten, ebenso die Radeon X1950 Pro von 2006, eine der letzten großen AGP-Optionen überhaupt.
Was das für deinen Build heute bedeutet
Praktisch heißt der Schnitt: Der Bus entscheidet nicht selbst, sondern dein Sockel entscheidet ihn für dich.
- Sockel A und Sockel 478: immer AGP. Hier ist die Frage beantwortet, bevor du sie stellst.
- Sockel 754/939: echte Wahlfreiheit. AGP über K8T800 oder nForce3 250, PCIe über nForce4 Ultra.
- LGA 775 und AM2: faktisch immer PCIe.
Daraus folgt eine Kaufreihenfolge, die ich jedem ans Herz lege: erst Ära und CPU festlegen, dann den Chipsatz, erst dann die Grafikkarte. Wer andersherum vorgeht und mit einer günstig geschossenen Radeon 9800 Pro startet, hat sich unbemerkt auf AGP festgelegt und damit die halbe Plattform-Entscheidung schon getroffen. Unser Retro-PC-Konfigurator nimmt dir diese Logik ab: CPU wählen, und es erscheinen nur Chipsätze und Karten mit passendem Bus.
Preislich ist die Lage schief, und das sollte niemand schönreden. AGP-Karten der Oberklasse sind Sammlerware, weil das Angebot endlich ist und jede defekte Karte den Bestand verkleinert. PCIe-Karten der Ära wie die GeForce 7600 GT oder die 8800 GT wurden dagegen in riesigen Stückzahlen produziert und sind entsprechend leichter zu bekommen. TODO: aktuelle eBay-Mediane für 6600 GT AGP vs. PCIe.
Der Sonderfall: Radeon HD 3850 AGP
Ein Kapitel für sich. 2008, vier Jahre nach dem offiziellen Staffelwechsel, brachte ATI mit der Radeon HD 3850 AGP noch einmal eine ernsthafte Karte für den alten Bus: 512 MB, DirectX-10-Architektur, die berühmte „letzte AGP-Karte". Sie haucht alten Boards Endgame-Leistung ein und ist die einzige Möglichkeit, ein AGP-System auf das Niveau der späten XP-Ära zu hieven.
Meine Meinung dazu ist gespalten. Technisch ist die Karte faszinierend, und in einem Sockel-939-System mit K8T800 ergibt sie ein herrlich schräges Maximal-AGP-Projekt. In einem Sockel-A-System dagegen ist sie verschenkt: Ein Athlon XP 3200+ mit seinen 2200 MHz bremst sie aus, lange bevor sie zeigen kann, was sie kann. Wer die HD 3850 will, sollte den stärksten AGP-Unterbau dazustellen, den es gibt, sonst bezahlt man Sammlerpreis für Leistung, die nie ankommt.
Drei Fragen, die es entscheiden
Welche Spiele? Titel bis etwa 2004, also die Generation rund um PS2 und Xbox, laufen auf AGP-Systemen wunderbar; eine GeForce4 Ti 4200 oder Radeon 9700 Pro ist dafür period-correct. Für Spiele von 2005 bis 2008 willst du PCIe, allein wegen der Kartenauswahl.
Wie viel Bastellust? AGP-Systeme verlangen mehr Pflege: ältere Boards, ältere Elkos, teils zickige Treiber wie bei den VIA-Chipsätzen. PCIe-Systeme der späten Ära fühlen sich fast modern an.
Was liegt schon in der Schublade? Vorhandene Hardware schlägt jede Theorie. Eine geerbte AGP-Karte ist ein prima Anlass für einen K8T800-Build; ein vorhandenes LGA-775-Board beantwortet die Frage ebenfalls von selbst.
Wenn du die drei Fragen beantwortet hast, steck die Antworten in den PC-Builder und schau, welche Kombinationen übrig bleiben. Meist sind es weniger, als man denkt, und genau das macht die Entscheidung am Ende leicht.